Pensionsschwein

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Als Pensionsschweine wurden während des Ersten Weltkrieg Hausschweine bezeichnet, die offiziell städtischen Einwohnern zur Sicherung der Selbstversorgung mit Fleisch gehörten, aber zur Umgehung von Bewirtschaftungsbestimmungen auf dem Land aufgezogen wurden. In diesen Zusammenhang gehören auch Balkon-, Keller- oder Salonschweine.

Geschichte

Zur Ergänzung der auf Bezugsscheinen erhältlichen geringen Fleischmengen nahm die Bedeutung der Selbstversorgung auch in den Städten während des Ersten Weltkrieges in Deutschland deutlich zu. Erhebliche Bedeutung hatte die Kleinviehhaltung etwa von Geflügel oder Kaninchen.

Daneben nahm auch die Haltung von Schweinen stark zu. Die Zahl der Hausschlachtungen wuchs bis Sommer 1916 stark an. Seither wurden auch private Schlachtungen genehmigungspflichtig. Die Besitzer mussten den Nachweis erbringen, dass die Tiere mindesten sechs Wochen im eigenen Haushalt gehalten worden waren.

Einige Besitzer kauften schon fette Schweine auf dem Land und versuchten sie zu Hause irgendwie durchzufüttern – diese Tiere wurden als Keller-, Balkon- oder Salonschweine bezeichnet.

Die Möglichkeit Schweine in städtischen Haushaltungen zu halten, war beschränkt. Um die Bestimmungen zu umgehen, blieben die Tiere in Besitz der Stadtbewohner, wurden aber auf dem Land bis zur Schlachtung aufgezogen („in Pension“ gegeben). Dies waren die Pensionsschweine.

Diese Umgehung der Bestimmungen nahm einen Massencharakter an und löste eine politische Debatte aus. Das Pensionsschwein wurde teilweise als Ausdruck sozialer Ungleichheit betrachtet. Von sozialdemokratischer Seite wurde 1916 ein Ende der Pensionsschweinhaltung gefordert, weil diese nur den Besitzenden die Möglichkeit gäbe, zusätzliches Fleisch über die offiziellen Rationen hinaus zu erhalten. Dagegen argumentierten landwirtschaftliche Interessenvertreter. Sie sahen in den Pensionsschweinen und der Erleichterung von Hausschlachtungen eine Möglichkeit, um die Fleischproduktion insgesamt zu steigern.

Letztlich setzte sich die kritische Haltung durch. Im Mai 1917 wurde bestimmt, dass die Zeit der Haltung im Haushalt von sechs auf zwölf Wochen ausgedehnt wurde. Die Haltung von Schweinen in städtischen Haushaltungen ging darauf stark zurück. Nur noch relativ wenige, wohlhabende Haushaltungen waren in der Lage, über einen so langen Zeitraum ihre Schweine im eigenen Domizil unterzubringen.

Literatur

  • Anna Roehrkohl: Hungerblockade und Heimatfront. Die kommunale Lebensmittelversorgung in Westfalen während des Ersten Weltkrieges. Stuttgart, 1991 S. 43f.
  • Georg Mühlen-Schulte: Das Pensionsschwein und andere bezugsscheinfreie Artikel, Verlag der lustigen Blätter, 1916